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Herbstliche Musiktage - Jungstar Anna Prohaska in der Bad Uracher Festhalle. Und dazu Shakespeare multimedial. Es knistert im Feenreich

Reutlinger General Anzeiger, 7. Oktober 2011

(Armin Knauer) Bad Urach. Es ist kein Geheimnis, dass Musiktage-Leiter Florian Prey ein Faible für ungewöhnliche Programme hat. Der Mittwochabend in der Bad Uracher Festhalle war so eine ungewöhnliche Sache im Rahmen des Festivals.

Prey selbst las aus einer Erzählfassung von Shakespeares berühmtem »Sommernachtstraum«. Zwei junge Pärchen verirren sich im Athener Wald und geraten mitten hinein in die mit Zauberei gespickten Liebeshändel des Feenreichs. Musikalisch schlug sich das nieder in feenhaft-luftigen Klängen des Münchner Diogenes-Streichquartetts und des Pianisten Andreas Kirpal. Zwischen den Leseteilen spielten sie Kammermusik-Bearbeitungen aus Mendelssohns Bühnenmusik zum »Sommernachtstraum«.

Magische Waldlandschaften
Dazu gesellten sich Vertonungen der Liebes- und Feenlieder aus dem »Sommernachtstraum«, von Festivalleiter Florian Prey und der Sopranistin Lydia Teuscher vorgetragen. Um die naturhaft-verwunschene Atmosphäre komplett zu machen, prangten auf einer großen Leinwand zauberhafte Fotografien magischer Waldszenerien. Keine Frage, wer die Bilder aufgenommen hatte: Florian Prey.

Der Star des Abends, die junge Sopranistin Anna Prohaska, tauchte lediglich in einem eingeschobenen Zwischenspiel nach der Pause auf, das seinerseits höchst eigenwillig war: Der Avantgarde-Komponist Aribert Reimann hatte acht Heinelieder von Mendelssohn für Sopran und Streichquartett bearbeitet und durch Überleitungen in seiner eigenen, modernen Musiksprache verbunden.

Mendelssohns Melodien schwammen auf diese Weise wie Inseln von Wärme und Wohlklang im kühlen, harschen Medium der Neuen-Musik-Tonsprache. Das gab den Liedern etwas Anrührendes, zumal Jungstar Anna Prohaska sich mit großer Hingabe in die Stücke vertiefte. Ihr Sopran leuchtete faszinierend mild und seidig. Ihre Stimme fesselte auch in den leisen, verhaltenen Stellen und schwang sich immer wieder zu raumgreifender Größe auf. Lediglich in den düsteren Liedern fehlte ihr etwas die Schärfe. Die fabelhaft gespielten Streichquartettklänge tauchten Prohaskas Stimme in ein flackerndes Licht. Mal rieselte es aus den Geigen wie irreales Flitterwerk über sie herunter; dann umflatterten fahle, dunkle Streicherklänge sie wie ein Schwarm Raben. Die Spannung zwischen seeligem Wohlklang und unheimlichem Schaudern war äußerst packend.

Federleichte Präzision
Die Stimmung in der Sommernachtstraum-Geschichte davor und danach war im Vergleich dazu heiter und beschwingt - aber nicht weniger prägnant auf den Punkt gebracht. Das Quartett mit Stefan und Gundula Kirpal an den Violinen, Magdalena Brune, Viola, und Stephen Ristau, Cello, brachte die irrlichternden Feentänze von Mendelssohns Musik mit federleichter Präzision zum Glitzern. Robust schunkelte die Musik der Handwerker. Und wo das Klavier hinzutrat, war die Sache bestens verzahnt.

Lydia Teuscher gab den Liedern mit ihrer schlanken, quirligen Sopranstimme eine neckische Schalkhaftigkeit, ob sie nun von Henry Rowley Bishop, Thomas Simpson Cooke oder Charles Edward Horn vertont waren. Florian Prey entfachte mit seinem Bariton seinerseits viel Witz und verliebten Übermut.

Sympathischer Erzähler
Auch als Geschichten-Erzähler machte Prey eine gute und sympathische Figur. Aber weil er auch noch als Sänger auftrat, war er ständig am Hin- und Herlaufen auf der Bühne. Von daher kann man schon fragen, warum man solch hochkarätigen Musikern nicht auch einen professionellen Rezitator an die Seite gestellt hat. Zudem erwies sich die Tontechnik als ziemlich unbefriedigend: Preys Vorlesestimme wurde zwar hinreichend verstärkt, jedoch von Rückkopplungsgeräuschen und zischenden S-Lauten beeinträchtigt. Schade drum, denn ohne diese störenden Mängel hätte Preys ungewöhnliches Konzept wirklich eine runde Sache ergeben. (GEA)

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