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Mit Dynamik und Facettenreichtum - Diogenes-Quartett spielte in Nußdorfer Kirche St. Leonhard

Oberbayerisches Volksblatt, 3. August 2011

(Georg Füchtner) Zum vierten Mal finden in diesem Sommer die Kammermusiktage Inntal statt. Auch wenn das Wetter an diesem Konzertabend ein bisschen weniger schön war als in den letzten Jahren, hatten sich zur „Sommerserenade“ in der Nußdorfer Kirche St. Leonhard zahlreiche Besucher eingefunden. Werke der Kammermusik von Haydn, Mozart und Mendelssohn bildeten den Auftakt der einwöchigen Reihe.
In seinen Begrüssungsworten dankte Professor Dr. Leder seiner Frau Alexandra, der Initiatorin der Kammermusiktage, für ihren unermüdlichen Einsatz. „Ein Konzert auf die Beine zu stellen, heißt unendlich viel Arbeit“, so Leder. Es sei eine fulminante Idee gewesen, nicht nur das renommierte Münchner Diogenes-Quartett einzuladen, sondern mit dem Klarinettisten Hans-Peter Reheis auch einen Musiker aus der Region einzubinden.
Zunächst spielen Stefan und Gundula Kirpal (Violine), Magdalena Brune (Viola) und Stephen Ristau (Violoncello) das F-Dur-Quartett Opus 50 Nr. 5 von Joseph Haydn. Schon vom ersten Takt begeisterte das Diogenes-Quartett mit zupackender Frische, Nuancenreichtum und spielerischer Brillianz. Das heiter-gelassene Allegro moderato und das Andante mit seinen mal lebhaft bewegten, dann wieder ruhigen Variationen bildete einen schönen Kontrast zum Menuett und dem witzigen Finalpresto.
In Mozarts A-Dur-Klarinettenquintett durfte Hans-Peter Reheis seine solistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Über allen Sätzen dieses Werkes liegt ein betörender melancholischer Klangzauber. Mozart schrieb es im September 1789 für den befreundeten Klarinettisten Anton Stadler. Der träumerische musikalische Dialog zwischen  der Klarinette mit ihren weit gespannten, seelenvollen Melodienbögen und den Streichern im Larghetto war von herzergreifender Innigkeit. Auch wenn im Allegro die Klarinette die Töne gelegentlich etwas verwischte, war ihr Klang im Menuett schlank und rein. Das Diogenes-Quartett spielte farbig und facettenreich, voller intimer Vertrautheit mit Mozarts Werk, in dem Schlichtheit und Kunstfertigkeit genial miteinander verschmelzen.
Frisch, dynamisch und energiegeladen erklang nach der Pause das erste Streichquartett in D-Dur Opus 44 von  Mendelssohn. Selten konnte man das Werk so aus einem Guss, so lebendig und unmittelbar hören. Die mitreißende Interpretation des Diogenes-Quartetts ließ selbst die engen und harten Kirchenbänke vergessen. Der erste Satz strotzte nur so vor Ausdruckskraft, das Menuett mit seinem pastoralen Presto con brio spielten die Musiker derart kompakt und mit virtuosem Elan, dass die Zuhörer minutenlang applaudierten. Einen besänftigenden Abschluss fand der Konzertabend mit dem langsamen Satz aus Mozarts G-Dur-Quartett, den das Diogenes-Quartett als Zugabe erklingen ließ.

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