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Verzauberte Welt - Das Diogenes Quartett mit Werken von Haydn bis Ravel bei den Schönbusch-Serenaden in Aschaffenburg

Main-Echo, 27. Juni 2011

ASCHAFFENBURG. Der Kälte und Feuchtigkeit trotzend hatten sich viele Zuhörer im Festsaal des Parks Schönbusch eingefunden, um dem Konzert des Diogenes-Streichquartetts im Rahmen der Schönbusch-Serenaden zu lauschen. Dass die gefühlte Temperatur im Verlauf des Konzerts anstieg, ist nicht nur dem beinahe ausverkauften Vortragsort zu verdanken, sondern vor allem der musikalischen Energie, dem emotionalen, zupackenden Vortrag der vier Musiker, die seit über zehn Jahren zusammenspielen.
Dabei ging es mit Joseph Haydns Quartett F-Dur aus den "Preußischen Quartetten" recht einfach los: Die beinahe simple Vorstellung des Themas entwickelte sich jedoch zu einem geläufigkeitsverliebten Satz, in dem jede Stimme eifrig mitmischt, während das Adagio eher einen Klangteppich auslegt, auf dem Primarius Stefan Kirpal seine beseligende Kantilene entwickeln kann.
War es bei Joseph Haydn der melodische Einfall und die musikalische Struktur, so ist es bei Maurice Ravels Streichquartett F-Dur der Klangzauber. Ravels Komposition ist eine Traummusik, die sich weder harmonisch noch melodisch genau festlegen lässt. In der Aufführung durch das Diogenes-Quartett ist es das genau austarierte Auf- und Abschwellen der Intensität, das diesen schwankenden Zustand vermittelt, Lichtreflexe tauchen auf und verschwinden wieder, die Pizzikati des zweiten Satzes verströmen Unruhe und Bewegung, während der wunderbare langsame Satz die Zuhörer in eine verzauberte Welt führt. Weich, wie in Zeitlupe, schieben sich Klangflächen ineinander und verschwimmen wieder, es gibt keine harmonischen Konturen oder Kontraste, sondern auf diesen Satz trifft der Begriff Spärenklänge zu - von denen sich wohl auch eine Amsel draußen inspirieren ließ und kräftig dazu flötete.
Dann überrascht die Aufkündigung der friedlichen Stimmung im brillianten Finalsatz mit seiner abwechselnden Dreier- und Fünferzählung. Harsch reiben sich die einzelnen Stimmen aneinander, was vorher konturlos ineinanderfloss, steht nun voller Brüche und Risse gegeneinander.
Die Interpretation ist glutvoll und glänzend, ist leidenschaftlich und lebendig,  man hört das - und man sieht das am Blickkontakt, an Mimik und Körpersprache der Musiker, ganz besonders beim Primus inter pares Stefan Kirpal, der die Beine hochreißt und doch immer geerdet ist.
Schwungvoll, mit einem brillianten Geigenpart, präsentieren sich die Ecksätze von Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett D-Dur, deren Tempobezeichnung der Komponist mit lebhaft (vivace) und glanzvoll (con brio) vervollständigt hat. Mit seinem orchestralen Charakter und dem virtuosen Anspruch ist das Quartett manchmal fast ein Violinkkonzert. Als Zugabe hörte man nach heftigem Beifall noch einen langsamen Satz aus einem Mozart-Quartett. Die Mischung macht wohl den Erfolg des Diogenes-Quartetts aus: Große Emotionalität, ohne dabei auf strukturellen Überblick und intelektuelle Durchdringung zu verzichten, die technische Beherrschung des Instruments sind eine Bedingung eines gelungenen Konzerts, doch was wäre all dies ohne die offensichtliche, hörbare Freude am gemeinsamen Musizieren. Werner Ziegler

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