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Klänge wie schimmernde Seide - Publikumsmagnet: Mehr als 200 Zuhörer applaudierten den jungen Münchnern im fast ausverkauften Ratssaal

Pinneberger Tageblatt, 21. Februar 2011

(Eike Pawelko) Die Fachwelt zählt sie zur internationalen Spitze ihres Genres. Warum - das bewiesen die vier Edelstreicher des Münchner Diogenes Quartett jetzt eindrucksvoll bei ihrem Gastspiel vor mehr als 200 Zuhörern im fast ausverkauften Pinneberger Ratssaal. Präzise, filigran und elegant meisterten Erster Geiger Stefan Kirpal, seine Frau Gundula (ebenfalls Violine), Bratschistin Stephanie Krauß und Cellist Stephan Ristau die Tücken der Kompositionen aus drei Epochen.
Sie bestachen durch Authentizität und Charisma, zu jeder Sekunde schlüssige Phrasierungen in einem stimmigen Gesamtkonzept und durch ein spannendes Programm. Und sie waren einfach atemberaubend sicher aufeinander eingespielt. Vom ersten Satz des Haydn’schen F-Dur-Quartetts op. 50/5 an schlugen die Routiniers das Publikum in den Bann: Mit leichter Hand verliehen sie der Eleganz des großen Wiener Klassikers lebendige Frische. Wie aus einem Guss spielten sie, ließen die Melodie fließen und schimmern, zwitschern und hüpfen.
Nach diesem delikaten Appetithäppchen ging’s ans Eingemachte: Ravels Streichquartett F-Dur. Rabiates Kontrastprogramm zur streichelweichen Stimmführung eines Haydn. Dieser eloquente Viersätzer fand vielleicht nicht die ungeteilte Zustimmung des Publikums.
Doch für alle, die sich auf die gelegentlich kratzbürstige Tonalität der Moderne einließen, war es ein erfrischender Ohrenschmaus. Prägnante Pizzicati, samtige Melancholie, wirbelnde Bewegung: Konzentriert bis in die Fingerspitzen entführte das Quartett sein Publikum in den vielfarbig schillernden Kosmos des "musikalischen Impressionisten" Ravel. Und bürstete gleichzeitig die Hörgewohnheiten seines Publikums mutig gegen den Strich.
Dramatik ohne aufgesetzte Effekthascherei, nahtlos ineinander greifende Dialoge zwischen den Stimmen, perfektes Timing - da machte das Zuhören einfach Spaß.
Versöhnliche Großtat nach der Pause: Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 3 D-Dur, op. 44/1. Mit diesem ebenfalls erstklassig gespielten Edelstück der romantischen Musikliteratur dürften die vier Münchner auch bei der Anti-Ravel-Fraktion unter den Zuhörern Sympathiepunkte gesammelt haben. Entfesselter Klangzauber zum Auftakt, seidig schimmernde Tongewebe im zweiten Satz, das Andante mit berührender Innigkeit intoniert - und alles gekrönt durch ein druckvoll gespieltes Finale: Das war Schönheit in Vollendung, abgerundet noch durch einen Satz aus Mozarts "Frühlingsquartett" als Zugabe.

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