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Abseits der Behäbigkeit - Klanglicher Ohrenschmaus in der Jakobskirche begeistet Zuhörer. Streicher vom Diogenes Quartett musizieren auf höchstem Niveau

Der Patriot, 12. April 2011

LIPPSTADT - Das Streichquartett gehört zur Königsklasse der Ensemblebesetzung. Umso erstaunlicher, welch große Zahl von hochqualifizierten Streichquartetten es in der Gegenwart gibt. Eines davon, dazu ein noch sehr junges, beschloss mit einem bravurösen Abend die Kammermusiksaison des Lippstädter Musikvereins in der Jakobikirche: Das Diogenes Quartett.
Werke dreier Musikepochen spielten die vier Musiker Stefan Kirpal und Gundula Kirpal (Violinen), Stefanie Krauß (Viola) und Stephan Ristau (Violoncello). Merkmal ihres Musizierstils ist in allen Werken deutlich: Hohe klangliche Sensibilität, feinnervige Unverwaschenheit des Klanges, intensives Durchdringen der kompositorischen Strukturen und zupackende Musizierfreude.
Joseph Haydns F-Dur-Quartett op. 50.5, technisch hoch anspruchsvoll und damit keinesfalls so etwas wie ein „Einspielstück“, verdeutlichte, wie sehr man das „Papa-Haydn-Image“, das völlig unreflektiert über viele Werke dieses Komponisten ausgegossen wird, abschälen wollte. Rasche Tempi, im Eingangssatz nicht „moderato“ und im Adagio deutlich nur „Poco Adagio“, gaben der Komposition stellenweise fast herbe Züge, wunderbar klangbewusst gespielt, wenn auch ohne den Gran „Behäbigkeit“, den das Werk auch hat.
Welchen klanglichen Feinsinn das Diogenes Quartett einbringen kann, welchen Sinn für die Entwicklung einer Komposition, welche Differenzierungsfähigkeit im Agogischen wie im Dynamischen, das wurde im F-Dur-Quartett von Maurice Ravel beispielhaft bewiesen.
Hätte man sich den Eingangssatz noch etwas ätherischer vorstellen können, waren der kraftvolle zweite Satz mit seinen raffinierten Pizzikato-Zwischenteilen, der in seiner klanglichen Differenzierung kaum zu überbietende langsame Satz und der temperamentvolle Schluss Beispiele glänzender intellektueller und technischer Durchdringung.
Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett op. 44.1, trotz allerhöchster technischer Anforderungen wegen seiner Klanglichkeit gerne von Laienquartetten dilettiert, gewann bei dem Diogenes Quartett eine hohe klangliche Disziplin. So wurde im Andante eine geschmäcklerische Note vermieden, gewann der Eingangssatz bei aller Spielfreude fast fahle Momente.

Wolfgang Amadeus Mozarts langsamer Satz aus einem seiner Haydn-Quartette (gespielt wie aus den Händen von Mendelssohn-Bartholdy) beendete den begeistert akklamierten, packenden Quartettabend. - AK

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