Die musikalischen Feinheiten des Joseph Haas: Konzert in Balgheim – Glanzpunkt der Rieser Kulturtage mit dem Diogenes Quartett
Rieser Nachrichten, 3. Mai 2010
(Ernst Mayer) Balgheim hat sich mit Hilfe seiner Dorfstiftung mittlerweile zu einem kulturellen Mittelpunkt des Südrieses entwickelt, besonders auch, was die Qualität der in der St. Ägidiuskirche veranstalteten Konzerte betrifft. Dies hat sich auch schon herumgesprochen, denn beim Konzert der Rieser Kulturtage füllte sich das Kirchenschiff fast bis auf den letzten Platz, und das Publikum hat, wie es Dr. Kavasch mit bewegten Worten zum Schluss ausdrückte, sicher nicht den Weg bereut, denn der Auftritt des Diogenes Quartetts aus München war ein Glanzpunkt der diesjährigen Kulturtage. Die Verpflichtung dieser außergewöhnlichen Künstler hatte die Gemeinde der Joseph-Haas-Gesellschaft zu verdanken, die sich dabei den Wunsch erfüllte, das einzige veröffentlichte Streichquartett des in Maihingen geborenen Komponisten Joseph Haas in seinem 50. Todesjahr im Ries erklingen zu lassen.
Eine quasi Hinführung auf dieses Ereignis vollzog das Diogenes-Streichquartett mit einem Frühwerk Franz Schuberts, der „Ouvertüre für Streichquartett c-Moll“ mit einem verinnerlicht beginnenden Largo. In diesem und dem zweiten Satz Allegro wird die melodiös liedhafte Kompositionsweise des Komponisten deutlich.
Diese dürfte auch dem etwa hundert Jahre später wirkenden Komponisten Joseph Haas gefallen haben, der formal klar und übersichtlich gearbeitet hat und dabei vor allem auch die Freude der Zuhörer im Sinn hatte. Dabei vermied er aber eine banale Popularität, und dafür standen die Interpreten des Balgheimer Konzertes. Sie vermittelten Joseph Haas als einen mit den „modernen“ kompositorischen Mitteln seiner Zeit wohl vertrauten, doch immer verständlich bleibenden Komponisten und zeichneten Stimmungsbilder mit tänzerischen Momenten, duftig verwobenen Melodien und beschaulichen, oft auch choralartigen, Gedanken. Mit einer ausgefeilten dynamischen Spielweise brachten die vier Streicher in einem musikalischen Farbenspiel die musikalischen Feinheiten des Haasschen Werkes den Zuhörern nahe. Mit solchen gelungenen Darbietungen gelingt es den Nachfahren des Komponisten, im Besonderen dem Enkel Wolfgang Haas, die Musik des zu seinen Zeiten sehr angesehenen Kompositionslehrers zu verbreiten und für die weiteren Aufführungen Haasscher Werke in diesem Jahr zu werben: „Te Deum“ mit der Kantorei St. Georg und das Oratorium „Die heilige Elisabeth“ mit Orchester und Chor der Rieser Musikschule im Herbst.
Mit einem solch bemerkenswert spielenden Streichquartett konnte man sich auf Ludwig van Beethovens Streichquartett C-Dur aus der Gruppe der „Russischen Quartette“ freuen, und man wurde im zweiten Teil des Konzerts nicht enttäuscht. Das Publikum erlebte mit zwei sich blind verstehenden Violinen (Stefan und Gundula Kirpal), einer wunderbar klingenden Viola (Stephanie Krauß) und einem sich gefühlvoll in das Ensemble einbindenden Violoncello (Stephen Ristau) Beethovens Musik in Vollendung. Mag dies vielleicht auch übertrieben klingen, waren das gefühlvolle Violinspiel mit vielen tänzerischen Momenten, die sehr melodiös und zart dahin schmelzenden Violaklänge und die bedacht gesetzten Pizzikati jedenfalls genussvolle Erlebnisse für die Konzertbesucher. Ein sanft und spielerisch schwingendes Menuett und eine sagenhaft schnell und absolut exakt gespielte abschließende Fuge rissen sie zu begeistertem Beifall hin, so lange, bis das Quartett in einem langsamen Satz aus Mozarts „Frühlingsquartett“ mit seinen reichen musikalischen Mitteln die virtuose Klangmalerei noch anschaulich erleben ließ.