
Ensemble – Magazin für Kammermusik, Januar 2010
(Robert Nemecek) Obwohl die zeitgenössische Kritik dem 3. Streichquartett von Joseph Haas (1879–1960) große musikalische Qualitäten samt Publikumswirksamkeit bescheinigte, ist es spätestens nach dem Tod seines Schöpfers im Jahre 1960 völlig von der Bildfläche verschwunden. Mit der vorliegenden Neueinspielung des entdeckungsfreudigen Diogenes Quartetts erfahren wir auch gleich den Grund für das Verschwinden des Werkes aus dem Konzertrepertoire. Formal wie tonsprachlich tief im 19. Jahrhundert verwurzelt, wirkt das 1919 verfasste Stück ziemlich rückständig, auch wenn es mit hohem Kunstverstand und perfektem Handwerk ausgeführt ist.
Von einem ganz anderen Kaliber ist Egon Kornauths (1891–1951) eigenwilliges Klavierquintett von 1933, dessen weit ausschwingenden Melodien und chromatisch angereicherten Harmonien man mit großer Spannung folgt. Das liegt zweifellos auch an der ausgezeichneten Darbietung des Ensembles, das die gewaltigen Dimensionen des halbstündigen Werkes mit sinfonischem Atem erfüllt und die Komposition in ihrer ganzen Fin-de Siècle-Sinnlichkeit erblühen lässt. Der Pianist Andreas Kirpal ist dabei ein ebenbürtiger, mit orchestralem Zugriff und farbiger Tongebung agierender Partner.
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