
Westfälisches Volksblatt, 27. Oktober 2009
(Wolfgang Günther) Paderborn. Mit einem Streichquartett, dem „klassischsten“ Ensemble der Kammermusik, ist am Sonntag die städtische Kammermusikreihe eröffnet worden.
Zu Gast im Audienzsaal in Schloß Neuhaus war das junge, vielseitig beschäftigte und schon sehr erfolgreiche Diogenes Quartett mit Stefan und Gundula Kirpal (Violine), Stephanie Krauß (Viola) und Stephen Ristau (Violoncello).
Das Motto des Abends „Jubiläen“ bezog sich ganz konkret auf das Jahr 1809 – in diesem Jahr starb Josef Haydn, und Felix Mendelssohn Bartholdy wurde geboren. Beide Komponisten müssen nicht mehr „entdeckt“ werden, aber eine besondere Hommage haben diese Großen der abendländischen Musikgeschichte verdient.
So begann der Abend mit dem Streichquartett G-Dur op. 54/2 von Haydn. Vom ersten Ton an zeigte sich die hohe ästhetische Klangkultur dieses Ensembles. Schon fast selbstverständlich war die absolute Homogenität in allen Facetten, frappierend die ungemein feine Schattierung in völliger Einheitlichkeit. All dies ließ erkennen, wie genau und gründlich diese jungen Künstler die Partitur gelesen hatten und wieviel künstlerische Verantwortung sie mitbrachten, um auch zu einer subjektiven und überzeugenden Interpretation zu gelangen.
Frisches Musizieren, gepaart mit Freude am rhythmischen Geschehen in den schnellen Sätzen, stand neben einer ganz anderen Atmosphäre von fast überirdischem Entrücktsein in den langsamen Sätzen, die aber genau so spannungsvoll angelegt waren. Die kleinen von Haydn so gern eingebauten harmonischen und dynamischen Überraschungen wurden vom Ensemble wirkungsvoll serviert.
Auch in dem ersten Streichquartett von Janácek erhielt jedes motivische Detail seine eigene Gestaltung. Die kompositorischen Mittel sind der Zeit der damals „Neuen Musik“ angepasst. Der Titel „Kreutzersonate“ bezieht sich auf die Novelle von Tolstoi – das tiefgreifende Psychogramm einer zerrütteten Ehe. Janácek wählt die Abkehr von traditionellen Formen, eine freie Verarbeitung, abrupte Kontrastierungen und farbige, stimmungsvolle Teile.
Höhepunkt des Abends aber war die Darbietung des Streichquartetts Nummer 2 a-Moll op. 13 von Mendelssohn Bartholdy. Das Ensemble bot in jeder Hinsicht eine Meisterleistung. Beeindruckend waren der mitreißende Schwung des Spiels und die Gestaltung der großen Melodiebögen.
Als Zugabe spielte das Diogenes Quartett den langsamen Satz aus dem G-Dur-Streichquartett von Mozart.
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