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Wenn Brahms zum Modern Jazzer wird - Ein gelungenes Experiment: Das Max Grosch Quartett trifft im Gräfelfinger Bürgerhaus auf das Diogenes Quartett

Süddeutsche Zeitung, 24. Juli 2009

(Sabine Zaplin) Es beginnt mit einer kleinen, rhythmisch klar strukturierten Jazzimprovisation, getragen von Schlagzeug, Kontrabass und Geige. Nach einer Weile wechselt das Thema, das akustische Erinnerungen weckt, über in die Klavierstimme, die eine Brücke baut hinüber zum klassischen Streichquartett: Jazz meets Brahms. Das Max Grosch Quartett trifft am Mittwochabend im Bürgerhaus Gräfelfing auf das Diogenes Quartett featuring Andreas Kirpal am Klavier. Akustisches Déjà-vu: War das nicht gerade...? Motive und Themen, auch einzelne Sätze ganzer Konzerte von Johannes Brahms werden aufgegriffen, abgeklopft, interpretiert und fortgeführt. Der Jazz stellt dazu die Mittel der Improvisation zur Verfügung, die Klassik interpretiert. Im Dialog wird das zu einem höchst spannenden Hörspiel, in dem aus Klangfarben Harmoniebilder werden, gekennzeichnet von Kontrasten, Kooperationen und Ko-Existenzen.
„Die Idee bewegt Stefan Kirpal und mich schon sehr lange“, sagt Max Grosch, der einst das Streichquartett gemeinsam mit Kirpal gegründet und – nach eigenen Worten – „dort die Geige geschrubbt hat“. Irgendwann ist Grosch auf die Jazzseite hinübergewechselt, die Freundschaft zu Kirpal aber blieb bestehen. Und nachdem das Diogenes Quartett im Münchner Gasteig eine eigene Konzertreihe hat, in der im vergangenen Brahms-Jahr natürlich auch einige Werke des Komponisten vertreten waren, entstand irgendwann der Gedanke, die beiden Ensembles sich in der Auseinandersetzung mit Johannes Brahms begegnen zu lassen. In dem Gautinger Jazzexperten Manfred Frei fand sich zudem ein kundiger Unterstützer. Und so kam es zu „Jazz meets Brahms“.
In Gräfelfing spielten die beiden Ensembles – im Diogenes Quartett Stefan Kirpal (Geige), Gundula Kirpal (Geige), Stephanie Krauß (Bratsche) und Stephen Ristau (Cello) sowie Andreas Kirpal am Flügel, im Max Grosch Quartett neben Geiger Max Grosch der Keyboarder Jan Eschke, Drummer Bastian Jütte und Bassist Sven Faller – ein Benefizkonzert, mit dessen Ertrag die Jugendmusikschule ein Saxophon anschaffen kann. „Die Nachwuchsförderung liegt uns am Herzen“, sagt Stephen Ristau, und dann greifen er und seine Kollegen wieder zum Bogen und befördern Johannes Brahms in einen so jungen Kontext, dass das Publikum in spontanen Jubel ausbricht. Mal gibt es eine klare Gegenüberstellung von Kammermusik und Jazz, wobei Max Grosch und sein Quartett den „Ungarischen Tanz“ zum Funky Dance werden lassen. Dann wieder verzahnen sich Klassik und Jazz. Crossover im besten Sinne. Oder vielleicht sollte man sagen: Come together.

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