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Grandioser Beginn, schwacher Mittelteil - Diogenes Quartett und Andreas Kirpal bei der KiB

Harburger Anzeigen und Nachrichten, 17. März 2009

(Jan-Barra Hentschel) Wann erlebt man schon mal ein waschechtes Klavierkonzert in der Reihe „Kammermusik in Buchholz“ (KiB)? War das der Grund, warum diesmal die Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums bis fast auf den sprichwörtlich letzten Platz gefüllt war? Im Zentrum des Abends stand das Klavierkonzert A-Dur KV 414 von Wolfgang Amadeus Mozart: Der Komponist hatte ausdrücklich eine Aufführung für Klavier und Streichquartett (er nannte es „a quattro“) erlaubt – die Bläserstimmen (Oboen, Hörner) tragen in der Partitur den Vermerk „ad libitum“, auf Deutsch: nach Belieben.
Das Münchner Diogenes Quartett – Stefan und Gundula Kirpal (Violinen), Stephanie Krauß (Viola) und Stephen Ristau (Violoncello) – war in Begleitung des Pianisten Andreas Kirpal, Bruder des Primarius, in die Nordheide gereist, um diese besondere Mozart-Fassung zu präsentieren. Doch das Ergebnis hielt den Erwartungen leider nicht stand. Andreas Kirpal fehlte die Leichtigkeit und Eleganz für eine herausragende Mozart-Interpretation, mit eher kompaktem Anschlag spielte er an den Schönheiten des Werkes vorbei. Und das Diogenes Quartett kam an den seltensten Stellen über eine untergeordnete Begleitfunktion heraus. Fazit: Wenn dieses Werk – dann bitte mit Orchester!
Seine besonderen Qualitäten bewies der Pianist nach der Pause in der Wiedergabe des 2. Klavierquintetts c-Moll Opus 115 (1921) von Gabriel Fauré. Als gleichberechtigter Partner der vier Streicher lieferte er mit flexiblem Anschlag und Mut zur Emphase eine beeindruckende Leistung ab. Alle fünf Musiker fühlten sich in diesem aufwühlenden Stück französischer Spätromantik wie zu Hause – hervorzuheben der traumhaft schöne Ton der Bratschistin Stephanie Krauß.
Ein Glanzlicht hatte das Diogenes Quartett zu Beginn mit einer grandiosen Deutung des Streichquartetts G-Dur, op. 54/1 von Joseph Haydn gesetzt. Das war Haydn in Reinkultur: unaufdringlich, entspannt, sonor, transparent, homogen und mit einer Spur Schalk im Nacken. Genau so und nicht anders muss das Klassik-Genie gespielt werden. Bravo!

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