
Hamburger Abendblatt, 17. März 2009
Das vierte Konzert der wichtigen Buchholzer Kammermusik-Reihe brachte das Münchner Diogenes Quartett, zusammen mit dem Pianisten Andreas Kirpal.
Drei Werke standen auf ihrem Programm. Joseph Haydns spätes Quartett op. 54,1 machte den Anfang. Haydn war einer der „Erfinder“ der Gattung Streichquartett. Da es einem Wiener Tuchhändler, Jost mit Namen, gewidmet war, der es auch bestellt hatte und selbst spielte, hatte Haydn den ersten Geigenpart besonders hervorgehoben, was 1788 allerdings längst überwunden war, war doch zu dem Zeitpunkt das Quartett schon ein gleichberechtigtes Miteinander von vier Musikern. Ein warmer Tonfall zeichnete das Diogenes Quartett mit Stefan Kirpal, Gundula Kirpal, Stephanie Krauß und Stephen Ristau aus.
Eine eigenhändige – reduzierende – Bearbeitung von Mozarts Klavierkonzert KV 414 war das folgende Werk. Naturgemäß waren also die vier Streicher zu bloßer Begleitung verurteilt, hatten keine eigenständige thematische Hauptarbeit. Beim Pianisten vermisste man leider den für Mozart notwendigen eleganten, zuweilen distanziert-ironisch Tonfall.
Hauptwerk des Abends war dann Gabriel Faurés Klavierquintett op. 115. Dieses Werk ist anspruchsvoll, hat zudem deutlichen Traditionsbezug mit seiner dichten Satzart, dem immer wieder auftretenden imitierenden Stimmeinsatz und der gleichsam von Wagner herrührenden „unendlichen Melodie“. Virtuos vor allem der zweite Satz, tragisch und mit dunklem Beginn der dritte. Und hier stimmte alles: die gewichtige kammermusikalische Faktur, das impulsive, engagierte Spiel aller fünf Musiker, die gleichberechtigt und stilistisch wunderbar stimmig das bedeutende Werk brachten. Dafür gab es Bravos.
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