
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Mai 2008
(Guido Holze) Am Rand des Aschaffenburger Parks Schönbusch, des größten englischen Landschaftsgartens der Rhein-Main-Region, liegt mitten im Grün ein kleiner klassizistischer Rundbau, Speise- oder auch Festsaal genannt, weil früher zu besonderen Anlässen der Adel dort Einkehr hielt. Heute ist das mit bodentiefen Fenstern einladend offene und mit der gewölbten Decke tempelartige Häuschen ein reizvoller Treffpunkt für Kammermusik-Liebhaber – auch aus akustischen Gründen: Das exzellente Diogenes Quartett entfaltete hier mit Mozarts Streichquartett C-Dur KV 465 jedenfalls bestens auf den Raum abgestimmt einen Vollklang, der doch die nötige Leichtigkeit besaß. Ungemein präzis in den Phrasierungen, der Rhythmik und der Intonation spielten Stefan Kirpal und Gundula Kirpal (Violinen), Stephanie Krauß (Viola) und Stephen Ristau (Cello) das „Dissonanzenquartett“ in hoher Klangkultur thematisch klar, griffig und mit feiner Spannung.
Das Streichquartett Nr. 1 von György Ligeti schloss sich insofern passend an, als sich darin vielfach eine kindliche Freude an Dissonanzen zeigt. Dabei ist das 1953/54 entstanden, einsätzige, aber vielteilige Werk mit dem Titel „Métamorphoses nocturnes“ sehr publikumswirksam, fasslich und plastisch. Es reiht vor Einfällen überbordend abschnittweise Stile aneinander: von motorisch treibenden, perkussiven Passagen nach Art Bartóks über einen grotesken Walzer à la Schostakowitsch etwa bis hin zu packend-harten Jazzrock-Passagen, die zur Entstehungszeit sicher wie „Zukunftsmusik“ klangen. Das 1996 in München gegründete Ensemble ließ die Komposition nun nicht blockartig-additiv, sondern zusammenhängend wirken, setzte dazu viel kinetische Energie frei, traf den Witz und die Überraschungsmomente punktgenau.
Höhepunkt der von der Städtischen Musikschule veranstalteten Aschaffenburger Schönbusch- Serenade war das Klarinettenquintett h-Moll op. 115 von Brahms. Der ausgezeichnete Klarinettist Clemens Trautmann fügte sich darin mit seinem biegsamen, differenzierten Ton dem Streicherklang ideal bei und übernahm mit viel Sentiment und Sinn für Melos oft mit Recht auch die Führungsrolle, Das Spätwerk wurde als Erzählung eines ganzen Lebens verständlich, als Ausdruck von Liebe oder unerfüllter Sehnsucht danach, als Erinnerung an geistiges Ringen und an Entbehrungen – mit einem am Ende doch heiter-gelassenen Ausblick. Die Zugabe war das herrliche Larghetto aus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581.
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