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Spannungsreich und transparent - Diogenes Quartett begeistert beim Rathauskonzert in Grafing

Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2008
 
(Sabine Radloff) Mehr als 200 Jahre wechselnder Hörgewohnheit liegen zwischen den ersten Zuhörern des Streichquartetts C-Dur, KV 465 von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Publikum, das am Sonntag mit dem Diogenes Quartett in den Genuss des Werkes kam, das den Untertitel „Dissonanzenquartett“ trägt. Als zu stark gewürzt, befremdlich durch Härten, Spannung und Reibung wurde dieses letzte Werk aus dem Zyklus der Joseph Haydn gewidmeten Mozart-Quartette empfunden – und in der Tat erlaubte sich der Komponist in der langsamen Introduktion des Adagio-Satzes harmonische Kühnheiten fern aller tonalen Konvention seiner Zeit.
Der heutige Hörer ist vom langsamen Einstieg in das Hauptthema mit seinen überraschenden harmonischen Wendungen in keiner Weise befremdet, ihm ist er Ausdruck besten Mozartschen Quartettstils. Und die vier Musiker des Diogenes Quartetts mit Stefan Kirpal und Gundula Kirpal, Violine, Stephanie Krauß, Viola sowie Stephen Ristau, Violoncello, verhalfen mit ihrem transparenten und spannungsreichen Spiel zu einem Hörerlebnis voller Esprit. Dialogisierend, imitierend oder im Unisono-Spiel führten die Musiker in gleichberechtigter Stellung ihrer Instrumente einen warmen, abgerundeten Gesamtklang vor, der fahle, schmerzliche Untertöne ebenso wie spielerische Heiterkeit in satter Klanglichkeit hörbar machte.
„Nächtliche Metamorphosen“ ist der Untertitel zu György Ligetis Streichquartett Nr. 1, das vor fünfzig Jahren in Wien uraufgeführt wurde. Mit ihm wandte sich das Diogenes Quartett einer Musik zu, die den Verwandlungen einer motivischen Keimzelle nachspürte und ihren wechselnden Gestalten nachdrücklichen Ausdruck verlieh. Wundervoll reizten die Musiker das Klangspektrum ihrer Instrumente aus. Eigentümlich verhangene Effekte wechselten mit flirrend schrillen oder lieblich-harmonischen Eindrücken, und das Ensemble gab ihnen meisterlichen Ausdruck.
Auch das dritte Werk des Konzertabends in Grafing, das Streichquartett a-Moll, D 804 von Franz Schubert trägt einen Untertitel: „Rosamunde“ verweist auf die Verbindung des zweiten Satzes zu seiner Zwischenaktmusik zum Schauspiel mit Schäferidylle um die zypriotische Prinzessin Rosamunde. Filigran schwebend zeichnete das Ensemble den Allegro-Satz nach, führte innig und behutsam durch die melodischen Linien im Andante-Satz, färbte die vom Cello vorgegebenen Impulse im Menuett mit expressiver Geste und fand sich im Schlusssatz zu explosiver Kraft inmitten lieblicher Melodik. Mit viel Applaus dankte das Publikum dem Quartett, das mit einem Mozart-Nachklang erwiderte.

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